Wie sichern wir die Versorgungsqualität? Der MD Kongress in Berlin
Am 5. und 6. Juni fand in Berlin der MD Kongress 2024 statt, bei den Vertreterinnen und Vertreter aller MDs sowie namhafte Expertinnen und Experten sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger wichtige Themen des Gesundheitswesens diskutierten. Zentralen Themen waren die Herausforderungen und Chancen im Gesundheitswesen sowie die Sicherung der Versorgungsqualität unter dem Motto „Gesundheitssystem unter Druck“.
Auch der Vorstand des MD Niedersachsen, Carsten Cohrs und Dr. Jan Liebeneiner und die Vorsitzenden unseres Verwaltungsrates, Detlef Ahting und Bernd Wilkening nahmen neben den entsandten Vertreterinnen aus dem Verwaltungsrat Melanie Gödeke, Christa Röder und Kerstin Stammel, an dem Kongress teil.
Auf dem Kongress wurde auch das Thema „Mitten in der Reform: Wie gestalten wir die Versorgungsqualität für die Versicherten?“ diskutiert. Mitglieder der Regierungskommission Krankenhaus beleuchteten die aktuellen Herausforderungen der Krankenhauslandschaft. Das Fazit: Die stationäre Versorgung sei auf einem hohen Niveau und die Erreichbarkeit für die Versicherten grundsätzlich gut. Allerdings müsse die Qualität der Versorgung stärker in den Blick genommen werden, da höhere Fallzahlen oft mit besserer Qualität einhergehen. Angesichts des Fachkräftemangels und des starken Wettbewerbs sei es notwendig, die ärztliche und pflegerische Versorgung zu stärken und die Patientenversorgung effizienter zu steuern. Die AOK Rheinland/Hamburg setzte sich für eine starke leistungsgruppenbezogene Krankenhausplanung und ein an Kennzahlen orientiertes Vorhaltebudget, zur Verbesserung der Qualität. Michael Weller vom Bundesgesundheitsministerium verteidigte die geplante Krankenhausreform, die finanzielle Verbesserungen für die Krankenhäuser bringen soll, und zeigte sich optimistisch hinsichtlich der Umsetzung.
Michael Weller, Leiter der Abteilung Gesundheitsversorgung im Bundesministerium für Gesundheit, lobte in seinem Beitrag die Rolle und die unabhängigere Ausrichtung der Medizinischen Dienste nach dem MDK-Reformgesetz und betonte, dass die Medizinischen Dienste wichtige Partner in Strukturfragen der Versorgungsqualität seien. Rund 400 Gäste nahmen die Impulse aus dem Bundesgesundheitsministerium auf und vertieften die Themen in einer anschließenden Round-Table Debatte mit Vertreter aus der Politik. Dr. Janosch Dahmen (Bündnis 90/Die Grünen), Tino Sorge (CDU/CSU), Prof. Dr. Andrew Ullmann (FDP) und Dr. Stefan Gronemeyer (Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Dienstes des Bundes) diskutierten unter anderem über Krankenhausreform, Leistungsgruppenüberprüfung und Pflegeversicherung. Einigkeit bestand darin bei allen, dass Digitalisierung und Flexibilisierung entscheidend bleiben.
Zum Abschluss des Kongresses stand die Patientenorientierung im Mittelpunkt. Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (GB-A) betonte die Herausforderungen durch Demographie und medizinisch-technischen Fortschritt und die Notwendigkeit eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses über die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems. Er unterstrich, dass nur evidenzbasierte Medizin die Versorgung sichern und die Solidarität der Versichertengemeinschaft bewahren kann. Neue Produkte und Methoden müssen einen Mehrwert für die Versicherten bieten, und die Qualitätssicherung durch den G-BA und die Medizinischen Dienste ist unverzichtbar.
Birgit Pätzmann-Sietas, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Kinderkrankenpflege Deutschland e.V., lobte die Arbeit der Medizinischen Dienste und hob die Effizienzsteigerung der Prüfprozesse bei steigender Auftragslage. Prof. Dr. Roland Seifert, Pharmakologe an der MHH, hob die Bedeutung von Patientenorientierung und Versorgungskontextund wies auf die Notwendigkeit unabhängiger Medikamentenbewertungen hin, um wirksame Alternativen aufzuzeigen. Forschung schaffe Transparenz und ein Gegengewicht zum Vermarketung von „Lifestyle“- Medikamenten.
Dr. Christine Adolph, stellvertretende Vorstandsvorsitzende beim MD Bayern, beleuchtete das Thema Patientensicherheit und den Beitrag der Medizinischen Dienste durch umfassende Qualitätskontrollen. Sie betonte die Bedeutung der Sicherheitskultur und sprach sich für hauptamtliche Patientensicherheitsbeauftragte in Krankenhäusern und eine Meldepflicht für Behandlungsfehler aus.
Ein gemeinsames Fazit der Veranstaltung war die Notwendigkeit eines gemeinsamen Engagements aller Akteure im Gesundheitswesen. Der Fokus muss auf einem starken Gesundheitssystem, Zusammenhalt und der Verbesserung der Versorgungsqualität für alle liegen.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Linkedin Seite Medizinischer Dienst Niedersachsen sowie auf allen anderen Seiten der Medizinischen Dienste.